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News, Sep 2022

Visualisierung des Monats #3

Kunst trifft Wissenschafft: Meandering River vom Designstudios onformative

Wissenschaft und Kunst gehen seit jeher eine gegenseitige, inspirierende Symbiose ein. Insbesondere in den Naturwissenschaften und in der Medizin gibt es seit Jahrhunderten gemeinsame Bestrebungen in der visuellen Interpretation von Mensch und Natur. Und mit modernen bildgebenden Verfahren sowie Simulationen nutzen beide Disziplinen zunehmend ähnliche Werkszeuge und computergenerierte Algorithmen. So machen sie eine visuelle Beschreibung und Interpretation unserer Welt möglich. Die künstlerische, audiovisuelle Installation Meandering River des Designstudios onformative aus Berlin ist hierfür ein exzellentes Beispiel.

Alles fließt

Aus der Beobachtung der Landschaftsentwicklung heraus entwickelte das Studio eine audiovisuelle Installation. Diese simuliert durch algorithmisch generierte Echtzeitbilder die Veränderungen eines Flusslaufs und erzeugt so eine ganz besondere künstlerische Ästhetik. Wie bei einer Zeitraffer-Luftbildaufnahme macht die Installation die rhythmischen Veränderungen der Flusslandschaften sichtbar. So sollen diese „ein einzigartiges Zeitbewusstsein“ kreieren, wie es onformative selbst beschreibt.

Künstlerische Forschung

Meandering River basiert auf Künstlerischer Forschung, einem interdisziplinären Feld zwischen Kunst und Wissenschaft, das die Gemeinsamkeiten beider Bereiche in den Blick nimmt. Außerdem beinhaltet es Strategien, die auch aus Sicht der Wissenschaftskommunikation wesentliche Parameter für eine gelungene Visualisierung aufzeigen: Die Installation zeigt Prozesse auf, die aus der gewählten Perspektive und der Zeitraffung normalerweise nicht wahrnehmbar sind. Es ist eine stilisierte Interpretation der Natur, die das Phänomen der Veränderung auf das Wesentliche konzentriert. Gleichzeitig hebt sie deren Rhythmik auf ästhetische und faszinierende Weise hervor.

Die digitale Präsentation auf einer Reihe von Displays hat auch in der formalen Darstellung eine hohe Attraktivität und eine neuartige Qualität. Bei den Betrachtenden soll sie Faszination erzeugen. Die abstrahierte Farb- und Formgebung ist eindrucksvoll und bleibt im Gedächtnis. Dadurch, dass sie sich von konventionellen geografischen oder Satellitenaufnahmen abhebt, unterstützt die künstlerische Interpretation die Einzigartigkeit der Darstellung. So bekommt sie einen ikonenhaften, einprägsamen Charakter. Hinzu kommt die akustische als weitere Sinnesebene. Sie verstärkt die emotionale Wirkung und den performativen Charakter der rhythmischen Visualisierung.

Die Arbeit von onformative zielt nicht auf die wissenschaftlich genaue Darstellung einer realen Landschaft ab. Vielmehr analysiert und interpretiert sie den zugrundeliegenden Prozess in den wissenschaftlichen Daten und erzeugt daraus eine eigene Kreation. Dieses Prinzip könnte auch in der Wissenschaftskommunikation vielversprechend sein. Es schafft Aufmerksamkeit für ein komplexes Thema ohne dabei die Betrachtenden mit Detail-Informationen zu überfrachten.

Lassen sich künstlerische Strategien auch in der Wissenschaftskommunikation anwenden?

Im KielSCN wollen wir uns unter anderem anschauen, wie eine solche künstlerische Strategie auch auf die Wissenschaftskommunikation anwendbar ist. Interessante Fragestellungen dabei sind:

  • Inwieweit lässt sich die ästhetische Wirkung einer stilisierten, abstrahierten Darstellung, des sich Verlierens und Eintauchens in eine großflächige Installation, des Erlebens von Wissenschaft, auf andere wissenschaftliche Inhalte übertragen?
  • Inwieweit generiert so eine Darstellung Aufmerksamkeit und lädt zum Verweilen ein? Und schafft diese auch nachhaltig ein Bewusstsein für den wissenschaftlichen Sachverhalt?
  • Wie gelingt es, durch eine emotionale und ästhetische Darstellung Zielgruppen anzusprechen, die sonst wenig mit Wissenschaft zu tun haben? Und wodurch und wie müssen solche „Visual Experiences“ wie Meandering River ergänzt werden, damit sich Interessierte tiefer und kritischer mit den Inhalten auseinandersetzen können?

Durch den Einsatz gestalterischer Prinzipien Ästhetik und Emotionen erreichen

Wir wollen verstehen, wie wir ästhetische und emotionale Wirkungen durch den Einsatz gestalterischer Prinzipien erreichen. Hier liegt aus unserer Sicht enormes Potential für die Wissenschaftskommunikation. Deswegen ist es für uns bedeutsam, nicht nur klassische Wissenschaftsdarstellungen zu untersuchen. Auch an den Grenzen zwischen Kunst, Design und Wissenschaft suchen wir nach Inspiration und Anregung. So wollen wir herausfinden, wie wir für die zukünftige Wissenschaftskommunikation an dem jahrhundertealten Wissen der Künste und des Designs in der Darstellung und Ästhetik partizipieren und darauf aufbauen können.

Noch mehr über Meandering River erfahren

Detaillierte Hintergrundinformationen zu der mehrfach ausgezeichneten audiovisuellen Installation Meandering River finden Sie auf der Webseite von onformative.

Über die Visualisierung des Monats

In der Serie „Visualisierung des Monats“ stellen wir jeweils am zweiten Mittwoch des Monats eine herausragende Visualisierung vor. Ein Kriterium bei der Auswahl ist, inwieweit diese aus Design-Perspektive ästhetisch und emotional ansprechend ist. Außerdem schauen wir uns den Informationsgehalt an. Dazu gehört auch, wie die Nutzerinnen und Nutzer der Visualisierung dabei unterstützt werden, komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen. Die Auswahl erfolgt innerhalb des KielSCN-Teams und bezieht das Fachwissen aus den Bereichen Informationdesign, Bildungswissenschaften und Emotionsforschung sowie der Wissenschaftskommunikationsforschung ein.


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