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News, Jun 2023

VdM #12 – teamLab Planets Tokyo

Eintauchen, wahrnehmen, eins werden

Zusammen mit anderen Menschen und mit dem gesamten Körper wahrnehmen – das ist das Motto von teamLab Planets Tokyo. Das Künstlerkollektiv teamLab hat hier eine Ausstellung geschaffen, in der die Besucherinnen und Besucher barfuß durchs Wasser laufen, die Werke mit ihrer Anwesenheit verändern und in einem Gartenbereich eins werden mit der Natur. Unser KielSCN-Teammitglied Heike Groth hat die Ausstellung besucht, die wir als unsere vorerst letzte Visualisierung des Monats ausgewählt haben.

Ein ganz besonderer Ausstellungsbesuch

Zum Abschluss einer Japanreise stand noch ein besonderes Highlight auf dem Programm: Der Besuch von teamLab Planets Tokyo. Die Ausstellung beginnt in einem Wasserbereich mit vier großformatigen Kunstwerken sowie zwei kleineren Installation, dem „Wasserfall aus Lichtpartikeln“ und dem „Weichen schwarzen Loch“.

Der Wasserfall, der in der Dunkelheit aus einer Kombination verschiedener Nachbild-Spuren entsteht, befindet sich an der Spitze einer leichten Steigung, die wir durch Wasser laufend zurücklegten. Im weichen schwarzen Raum gibt es keine harten, flachen Oberflächen. Die Füße sinken ein, was das Vorwärtskommen erschwert. Gleichzeitig beeinflussen die anderen Menschen im Raum mit ihren Bewegungen die Beschaffenheit der Oberflächen. Dies führt dazu, sich einerseits stärker auf den eigenen Körper und den Raum zu konzentrieren. Andererseits ist es für den eigenen Weg wichtig, die Mitmenschen stärker in den Blick zu nehmen. So werden bereits hier die wichtigen Prinzipien der der Ausstellung verdeutlicht: Das eins werden mit dem Werk und das Zusammenspiel mit anderen.

Das unendliche Kristalluniversum

Anschließend betreten wir das unendliche Kristalluniversum. Mit Hilfe von farbigen Lichtpunkten und Spiegeln entstehen hier dreidimensionale Strukturen, die sich unendlich in alle Richtungen erstrecken. Die Besucherinnen und Besucher sowie ihr jeweiliger Standort innerhalb des Werks beeinflussen die sternförmigen Strukturen. Mit dem eigenen Smartphone können wir selbst verschiedene Strukturen auswählen und in das unendliche Kristalluniversum werfen. So entwickelt sich das Kunstwerk permanent und in Abhängigkeit von den jeweils interagierenden Menschen weiter.

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Der Tanz von Koi und Menschen – Unendlichkeit

Im nächsten Raum erwartet uns bis zu knietiefes Wasser, das milchig gefärbt ist. Auf der Oberfläche schwimmen bunte, digitale Koikarpfen. Die Anwesenheit der Menschen sowie der anderen Koi beeinflusst ihre Bewegungen. In dem Moment, wo wir einen der Fische berühren, mit ihm zusammenstoßen, verwandelt er sich eine Blume und zerstreut sich. Das, was wir zum Zeitpunkt unseres Besuches sehen, wird in Echtzeit von einem Computerprogramm gerendert. Die Installation ist laufend in Veränderung, denn es ist immer die individuelle sowie die Interaktion aller Anwesenden, die Momentaufnahme, die das Kunstwerk ausmacht. Frühere visuelle Zustände lassen sich nicht reproduzieren und werden sich so wie wir sie gesehen haben nie wiederholen.

Kugeln aus schwebendem Licht

Wir gehen weiter in den nächsten Raum, der mit großen, frei schwebenden Lichtkugeln gefüllt ist. Wie schon in den vorherigen Räumen sind auch hier auf dem Boden und an den Wänden Spiegel angebracht, so dass wir komplett in diese Kugeln aus Licht einzutauchen scheinen. Durch die Bewegung der Menschen im Raum und durch das Berühren der Kugeln, ändern diese ihre Farbe. Diese Veränderung des Farbtons geht auch auf die umliegenden Kugeln über, die sie wiederum dreidimensional an die ihnen benachbarten Kugeln abgeben. Da die Kugelfarben durch Licht erzeugt werden, ist es möglich, insgesamt neun unscharfe Farben zu erzeugen. Diese sind der Natur und verschiedenen Jahreszeiten entnommen. So stehen sie zum Beispiel für den Morgenhimmel und den Himmel in der Dämmerung, aber auch für Pflanzen wie Pfirsiche, Pflaumen und Frühlingsahorn. Ergänzend gibt es drei kräftige Farben – Blau, Rot und Grün – die den Raum optisch verflachen.

Schweben im fallenden Universum der Blumen

Die letzte digitale Installation im Wasserbereich ist eine 360°-Projektion, die ebenfalls durch spiegelnde Oberflächen ergänzt wird. Wir setzen uns auf den Boden und sind umgeben von einem Meer aus Blumen. Um uns herum durchlaufen diese die Jahreszeiten und somit ihren natürlichen Lebenszyklus: Sie wachsen, entwickeln Knospen, blühen und verlieren schließlich ihre Blütenblätter, verwelken, sterben. Auf dem Boden sitzend lösen sich die Grenzen auf und es fühlt sich an, als würden wir uns selbst im Universum der Blumen bewegen.

Auch bei diesem Werk handelt es sich nicht um ein voraufgezeichnetes Video, das lediglich abgespielt wird. Wie zuvor schon bei den Koikarpfen rendert ein Computerprogramm das Kunstwerk kontinuierlich in Echtzeit. So verändert es sich ständig, frühere visuelle Zustände werden nie reproduziert. Das Blumenuniversum, wie wir es in diesem Moment gesehen haben, kann so nie wieder gesehen werden. Welche Blumen zu sehen sind, orientiert sich an der jeweiligen Jahreszeit des Besuchs.

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Der Moosgarten

An den Wasserbereich mit seinen größtenteils digitalen Installationen schließt sich der Gartenbereich der Ausstellung an. In einem Moosgarten im Außenbereich liegen eiförmige Kugeln, die ihr Aussehen entsprechend der Lichtverhältnisse verändern. Doch auch Bewegung hat neben Licht Einfluss auf die Kugeln. Wenn der Wind sie streift oder Menschen sie herunterdrücken, geben sie einen resonierenden Ton von sich. Eine Kettenreaktion wir ausgelöst und auch die umliegenden Kugeln schwingen mit demselben Ton weiter.

Wenn die Sonne untergeht, leuchten die Eiformen zusätzlich. Abermals löst die Berührung durch Menschen oder den Wind eine Reaktion aus. So leuchten sie heller, es beginnt zu klingen und das Ei richtet sich, ebenso wie die benachbarten, auf. Wenn es windstill ist und die Menschen ganz still sind, beginnen die eiförmigen Objekte langsam zu flackern. Neben dem Menschen ist es hier also der Einfluss von Wind und Feuchtigkeit, der die Installation interaktiv mitgestaltet. Alle drei werden so zu einem Teil des Werks. Eine weitere Bedeutung kommt dem Moos zu, in dem die Eier liegen. Moose können ihren Wassergehalt weitgehend dem Feuchtigkeitszustand ihrer Umgebung angleichen. Nach langen Trockenperioden erwachen sie erneut zum zum Leben, sobald sie Wasser bekommen. Auch Farbe und Form der Moose unterscheiden sich bei Trockenheit, Regen oder Nebel.

Der schwebende Blumengarten

Als wir den letzten Raum betreten befinden wir uns mitten in einem Blumenmeer aus Orchideen. Diese hängen von der Decke herab und werden durch Spiegel an den Wänden sowie am Boden zu einem großen Ganzen. Alle Blumen in diesem Kunstwerk sind lebendig und wachsen quasi in der Luft. Im Verlauf der Tageszeiten verändert sich der Duft des Kunstwerkes, denn unterschiedliche Orchideen werden jeweils von bestimmten Pollen tragenden Insekten bestäubt. Abhängig davon, wann diese aktiv sind, verströmen die verschiedenen Blüten ihren Duft.

Im schwebenden Blumengarten finden sich außerdem Anklänge an Elemente aus dem Zen-Buddhismus. So sind Zen-Gärten Orte, an denen sich die Priester darin übten, mit der Natur eins zu werden. Von einem berühmten Zen-Mönch soll folgender Ausspruch stammen: „Himmel und Erde und ich sind aus derselben Wurzel. Alle Dinge und ich sind aus der gleichen Substanz.“ All das findet sich in diesem Werk wieder, in dem wir in die vom Himmel herabhängenden Blumen eintauchen und so mit dem Garten eins werden.

Ausdrucksstark, beeindruckend, überwältigend

Die Ausstellung beschäftigt sich nicht mit der Visualisierung von wissenschaftlichen Inhalten, obwohl sie sich an vielen Stellen ihrer Erkenntnisse bedient. Vielmehr geht es um ganz universelle Dinge: Welche Spuren hinterlasse ich auf diesem Planeten? Wie interagiere ich mit der Welt und mit anderen? Wie beeinflussen wir und unsere Handlungen uns dabei auch gegenseitig? Außerdem führt sie uns die Flüchtigkeit des Moments vor Augen und ruft uns so auch dazu auf, Eindrücke mit allen Sinnen, mit dem gesamten Körper, wahrzunehmen, zur Ruhe zu kommen, zu staunen und zu genießen, sich am Ende wieder mehr auf die Natur zu besinnen. Und das alles geschieht indem wir mit ausdrucksstarken visuellen Inhalten konfrontiert werden, die uns beeindrucken, manchmal fast überfordern, und überwältigt zurücklassen.

Ein Gefühl das anhält, wie mir ein Gespräch zurück am Arbeitsplatz verdeutlicht hat. Einer Kollegin habe ich erzählt, dass wir in Tokyo unter anderem eine Ausstellung besucht haben, bei der mit starken visuellen Mitteln gearbeitet wird. Sie hielt kurz inne und berichtete dann, dass sie vor einigen Jahren auf ihrer Japanreise ebenfalls in einer solchen Ausstellung gewesen sei, die sie nachhaltig beeindruckt habe: „In einem Raum watete man in etwa knietiefem, milchigem Wasser und war umgeben von Koikarpfen, ein anderer war gefüllt mit großen schwebenden Bällen, die durch Interaktionen mit den Menschen die Farbe wechselten …“.

Im Jahr 2025 kommt teamLab auch nach Deutschland und ist dann mit einer dauerhaften Ausstellung in der Hamburger Hafencity zu sehen. Weitere Infos gibt es hier.


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