News, Juli 2026

Kiel Science Communication Network erhält Folgeförderung zur Verstetigung

Dauerhafte Verbindung von Wissenschaftskommunikations-Forschung mit evidenzbasierter Praxis am Standort Kiel

Das Kiel Science Communication Network (KielSCN) erhält nach erfolgreicher Evaluierung eine Folgeförderung von drei Jahren bis November 2029 in der Förderlinie Wissenschaftskommunikation hoch drei – Zentren für Wissenschaftskommunikationsforschung. Dies beschied das Kuratorium der VolkswagenStiftung in seiner Juni-Sitzung. Nach dem Aufbau von Strukturen und der Generierung von Forschungserkenntnissen zu Wirkmechanismen liegt der Fokus in der zweiten Projektphase auf einer Institutionalisierung von Wissensaustausch, der Forschung dauerhaft mit einer evidenzbasierten Wissenschaftskommunikations-Praxis verbindet.

Vertiefende Untersuchung von emotionalen Prozessen und Vertrauensdynamiken

Als eines von deutschlandweit vier Zentren für Wissenschaftskommunikations-Forschung wird das KielSCN seit Dezember 2021 von der VolkswagenStiftung gefördert. Das übergeordnete Ziel der ersten Förderphase war es, die visuelle Wissenschaftskommunikation auf der Grundlage von Forschungserkenntnissen zu verbessern. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Identifizierung zentraler Wirkmechanismen, insbesondere bei der Kommunikation gesundheitsbezogener Themen. Aufbauend auf den Erkenntnissen vertieft die Forschungsagenda der zweiten Phase die Untersuchung emotionaler Prozesse und Vertrauensdynamiken.

„In verschiedenen Studien, zeigte sich, dass Emotionen und Vertrauen eine entscheidende Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung wissenschaftlicher Inhalte zu kommt“, so Melanie Keller, Professorin am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) und an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). „Darauf bauen wir in den folgenden Jahren auf: wir wollen verstehen, wie kurzfristige emotionale Reaktionen und Vertrauensurteile mit dauerhaften Einstellungen gegenüber Wissenschaft interagieren – und wie Wissenschaftskommunikation diesen Prozess konstruktiv begleiten und unterstützen kann.“

Entwicklung und Erprobung von Broker-Profilen als Schnittstellen zwischen Forschung und Praxis

Einen weiteren Schwerpunkt bildete der transdisziplinäre Austausch zwischen Wissenschaftskommunikations-Forschung und -Praxis. Hier zeigte sich, dass entsprechende Prozesse aktuell noch weitgehend projektbezogen und unzureichend institutionalisiert sind. Aufbauend auf diesen Erfahrungen arbeitet das KielSCN in der zweiten Projektphase unter der Leitung von Dr. Carolin Enzingmüller und Dr. Willi Scholz daran, nachhaltige Strukturen für Wissensaustausch und Transfer aufzubauen. Dazu entwickelt und erprobt das Team unter anderem sogenannte Broker-Profile. Hierbei handelt es sich um spezifische Rollen, die Schnittstellen zwischen der KielSCN-Forschung zu Wissenschaftskommunikation und Akteur*innen aus der Praxis einnehmen. Sie bauen auf den Erfahrungen und Ergebnissen der ersten Förderphase auf und konzentrieren sich auf drei Bereiche: visuelles Design, eingebettete Evaluationsformate für die Praxis sowie Fortbildung und Training.

„Mit dem Broker-Konzept setzt das KielSCN zukünftig die Vision der VolkswagenStiftung von Wissenschaftskommunikation hoch drei in einer dauerhaften Architektur für evidenzbasierte Wissenschaftskommunikation um“, so KielSCN-Sprecherin Ilka Parchmann, Abteilungsdirektorin am IPN Kiel. „Gemeinsam mit strategischen Kooperationspartnern aus den Bereichen Gesundheitswissenschaften, Wissenschaftskommunikation und Designpraxis entwickeln diese Broker Fallstudien, die dann in realen Praxissituationen getestet werden. Forschungserkenntnisse zu Emotionen und Vertrauen finden so Eingang in Designkonzepte, Evaluationsformate und Schulungsansätze. Die daraus resultierenden empirischen und erfahrungsbezogenen Erkenntnisse fließen anschließend systematisch in die Forschung zurück.“

Enge Zusammenarbeit von IPN Kiel und Uni Kiel unter Einbeziehung weiter Partner

Die Projektkoordination liegt auch in der zweiten Projektphase beim IPN Kiel. Kontinuität über die Förderphase hinaus bieten zwei hier angesiedelte Professuren mit einem Schwerpunkt im Bereich Wissenschaftskommunikation. Sie übernehmen ab Dezember 2026 die Forschungsleitung im KielSCN. Mitantragstellerin ist die CAU, die gezielt in langfristige personelle Strukturen investiert, um Wissenschaftskommunikation als strategisches Handlungsfeld nachhaltig zu stärken. Dies ermöglicht die institutionelle Einbettung der Brokeraktivitäten, Ergebnisse und Profile in Skalierungsprozesse mit Akteur*innen sowohl in Kiel als auch darüber hinaus. Netzwerke und intermediäre Organisationen stärken die institutionelle Reichweite weiter. Hierunter fallen die Muthesius Kunsthochschule, Open Campus und Spektrum der Wissenschaft als Projektpartner, die bereits seit 2021 das KielSCN bereichern. Als neue Partner hinzu kommen Wissenschaft im Dialog sowie das Leibniz-Forschungsnetzwerk „Evidenzbasierte Wissenschaftskommunikation“.

Das Projekt-Leitungsteam im Überblick

Sprecherin und wissenschaftliche Leitung

Prof. Dr. Melanie Keller
Leibniz-Institut für die Pädagogik der
Naturwissenschaften und Mathematik (IPN)

Leitung Knowledge Exchange

Dr. Carolin Enzingmüller

Leibniz-Institut für die Pädagogik der
Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) und
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU)

Administrative Leitung und Transfer

Dr. Willi Scholz

Leibniz-Institut für die Pädagogik der
Naturwissenschaften und Mathematik

Über das KielSCN

Das Kieler Netzwerk für Wissenschaftskommunikation (KielSCN) entwickelt neue Ansätze für die Kommunikation von wissenschaftlichen Inhalten. Dabei liegt der Fokus auf Visualisierungen von Informationen und deren Wahrnehmung. Was macht hochwertige Visualisierungen in der Wissenschaftskommunikation aus und wie werden diese entwickelt? Wie nehmen unterschiedliche Zielgruppen Visualisierungen wahr und wie können Gestaltungsmerkmale das Erreichen von Zielen in der Wissenschaftskommunikation unterstützen? Was benötigen Forschende, Studierende und Jugendliche, um wissenschaftliche Erkenntnisse auch mit visuellen Mitteln effektiv zu kommunizieren? Diesen Fragen widmet sich das interdisziplinäre KielSCN-Team in verschiedenen Forschungsvorhaben und Projekten.

In der zweiten Projektphase steht neben der Forschung zu Vertrauen, Emotionen und visueller Wissenschaftskommunikation insbesondere der systematische Wissensaustausch zwischen Forschung und Praxis im Fokus. Das Ziel ist es, nachhaltige Strukturen zu entwickeln, die wissenschaftliche Erkenntnisse stärker in die Praxis der Wissenschaftskommunikation überführen und gleichzeitig Erfahrungen aus der Praxis für die Forschung nutzbar machen.

Die VolkswagenStiftung fördert das KielSCN seit 2021 als eines von deutschlandweit vier Konsortien in der Förderlinie Wissenschaftskommunikation hoch drei – Zentren für Wissenschaftskommunikationsforschung. Mit der zweiten Projektphase wird die Förderung bis 2029 fortgesetzt.


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