News, Jul 2022

Visualisierung des Monats #1

How America Lost One Million People

Die Corona-Pandemie hat unser aller Leben berührt – eine Tatsache, an die uns der Artikel der New York Times (NYT) „How America Lost One Million People“ auf berührende Weise erinnert. Wir haben ihn als unsere Visualisierung des Monats #1 ausgewählt.

Wie lassen sich große Zahlen anschaulich visualisieren?

Eine Million ist eine Zahl, die der Mensch in ihrer Größe nur schlecht erfassen kann. Genau dort liegt eine der Herausforderungen für das Informationsdesign im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie: Wie lassen sich große Zahlen anschaulich visualisieren? Darüber hinaus beinhaltet diese große Zahl der Todesfälle hier außerdem die Auswirkungen, die jeder individuelle Fall auf das Leben der Angehörigen hatte.

Das NYT-Projekt stellt sich dieser Herausforderung. Ein Team aus Grafik-Redakteurinnen und Redakteuren sowie Journalistinnen und Journalisten macht diese Auswirkungen auf eindrucksvolle Weise greifbar, indem es jeden Todesfall als kleinen, schwarzen Punkt darstellt. Durch dieses visuelle Prinzip gelingt es, die Leserinnen und Leser in die Lage zu versetzen, die reine Anzahl der Menschen zu erfassen. Unterstützt wird dies durch das vorherrschende schwarz-weiße Farbschema, das Tod, Verlust und Endgültigkeit symbolisiert. So wird bereits auf den ersten Blick die Ernsthaftigkeit und Negativität des behandelten Themas deutlich.

Aktive Einbindung der Leserinnen und Leser

Während des Lesens und der individuellen Navigation durch den Artikel, erhöht sich die Anzahl der schwarzen Punkte. Schließlich füllen sie fast den gesamten Bildschirm aus, der mit jedem weiteren Punkt immer dunkler und dunkler wird. Durch diese Verbindung zwischen dem aktiven Blättern und der Animation der Website, können die Benutzerinnen und Benutzern die Geschwindigkeit der Bewegung zu steuern. Diese Kontrolle und die direkte Resonanz auf die eigene Handlung bereichern die Benutzendenerfahrung (User Experience) des Produktes zusätzlich.

Abstraktes erhält eine Bedeutung

Im weiteren Verlauf des Artikels füllen die Punkte den Raum unter der wohl bekannten Kurve der Covid-Infektionen und Todesfälle aus. So geben sie diesem ansonsten abstrakten und körperlosen Diagramm eine Bedeutung. Dann breiten sich die Punkte aus, um eine Karte der Vereinigten Staaten und ihrer Ballungsräume zu zeichnen, in denen sich die Fälle häufen. Dies macht sehr eindrücklich sowohl die lokalen als auch die nationalen Auswirkungen der Pandemie greifbar. Insbesondere der Übergang zwischen Diagramm und Karte schafft eine visuelle Metapher von Asche und geisterhaften Erscheinungsformen, die das Hauptthema auf der Animationsebene unterstützen.

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Eine Visualisierung, die informiert und bewegt

Der Artikel ist ein Beispiel dafür, wie es kraftvollen und gut gestalteten visuellen Erzählungen gelingen kann, den erschütternden Verlust von Menschenleben zu illustrieren und greifbar zu machen. Es ist bemerkenswert, dass ein digitaler Zeitungsartikel nach mehr als zwei Jahren Pandemie immer noch in der Lage ist, uns zu bewegen – und zwar durch eine hervorragende Informationsvisualisierung.

Über die New York Times

Die New York Times steht für Qualitätsjournalismus, was auch für die im Print sowie Online veröffentlichten Visualisierungen gilt Dementsprechend ist die Grafik Design Abteilung des Verlages hochgradig etabliert und angesehen. Der ausgewählte Artikel How America Lost One Million People von Jeremy White, Amy Harmon, Danielle Ivory, Lauren Leatherby, Albert Sun and Sarah Almukhtar ist am 13. Mai 2022 erschienen.

Über die Visualisierung des Monats

In der regelmäßigen Serie “Visualisierung des Monats” stellen wir jeweils am zweiten Mittwoch des Monats eine herausragende Visualisierung vor. Ein Kriterium bei der Auswahl ist, inwieweit diese aus Design-Perspektive ästhetisch und emotional ansprechend ist. Außerdem schauen wir uns den Informationsgehalt an. Dazu gehört auch, wie die Nutzerinnen und Nutzer der Visualisierung dabei unterstützt werden, komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen. Die Auswahl erfolgt innerhalb des KielSCN-Teams und bezieht das Fachwissen aus den Bereichen Informationdesign, Bildungswissenschaften und Emotionsforschung sowie der Wissenschaftskommunikationsforschung ein.


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