News, Nov 2022

TURN Conference 2022 in Kiel

Bildung im Wandel

Am 3. und 4. November fand in Kiel die TURN Conference 2022 statt. Unter dem Motto „Wandel gestalten – Lehren und Lernen heute für die Herausforderungen von morgen“ trafen sich hier Akteurinnen und Akteure aus Universitäten und Fachhochschulen, aber auch aus der Gesellschaft. Im Fokus stand der Austausch über Lehr-Lernkonzepte, Praxisbeispiele, studentische Projekte, Forschungsergebnisse und Lehrentwicklungsvorhaben, die dazu beitragen können, Studierende sowie Absolventinnen und Absolventen zu befähigen, gesellschaftlichen Wandel aktiv mitzugestalten. Das KielSCN war bei der Konferenz mit einem Symposium zu visueller Wissenschaftskommunikation und interaktivem Lernen dabei.

Was bedeutet visuelle Wissenschaftskommunikation?

KielSCN-Sprecher Tom Duscher eröffnete das Symposium mit seinem Beitrag zur visuellen Wissenschaftskommunikation. Hier ging er auf die bedeutsame Rolle ein, die visuelle Gestaltung in der Kommunikation von wissenschaftlichen Themen in unserer medial geprägten Gesellschaft heute einnimmt. Die Herausforderung für die visuelle Wissenschaftskommunikation bestehe darin, eine sowohl inhaltlich richtige und einfach nachvollziehbare Darstellung zu finden, die gleichzeitig auch ästhetisch ansprechend und faszinierend ist. Interaktive Medien bieten hierfür große Möglichkeiten.

So erläuterte er, dass beim Informationsdesign die Vermittlung und Gestaltung der zugrunde liegenden Informationen im Vordergrund steht. Durch grafische Darstellung soll ein Überblick, Zusammenhang oder Vergleich komplexer Informationen dargestellt werden. Um die Komplexität der Realität und umfangreicher Datensätze nachvollziehbar zu machen, benutzt das Informationsdesign visuelle Metaphern. Denn Daten alleine sind noch keine Information. Duscher weiter: „Laut dem Kartographen Edward Tufte soll gutes Informationsdesign die Klarheit des Denkens sichtbar machen. Exzellentes Informationsdesign hingegen erreicht weit mehr: es ist inhaltlich sowie analytisch präzise und gleichzeitig auch emotional sowie formalästhetisch ansprechend und klar.“

Vorstellung der Lern-App „Meet The Metaorganism“

Im darauf folgenden Beitrag stellten Susanne Landis und Manuel Reitz vom Science Communication Lab die interaktive Lern-App „Meet The Metaorganism“ vor, die in intensiver Abstimmung und in Zusammenarbeit mit den Fachwissenschaftler*innen des Sonderforschungsbereichs Origin and Function of Metaorganisms entwickelt wurde.

Bei der Konzeption des Tools stand die Frage im Vordergrund, wie sich Studierende der Lebenswissenschaften visuell und nachhaltig über aktuelle interdisziplinäre Forschung informieren können. Im Science Communication Lab arbeiten Wissenschaftler*innen und Designer*innen eng zusammen, was die Qualität der App sowohl in inhaltlicher Tiefe als auch in der visuellen Darstellung sehr positiv beeinflusst. Die Applikation beruht auf den neusten Erkenntnissen der Mikrobiomforschung und beinhaltet einprägsame Infografiken sowie Animationen, die die Themen Coevolution, Microbial Communities und das Immunsystem abwechslungsreich vorstellen. Die App befindet sich in der Fertigstellung und wird zukünftig frei im Internet verfügbar sein um von möglichst vielen Biologie Studierenden und fachlich interessierten Personen genutzt werden zu können.

Innovation durch Kollaboration

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Sonderforschungsbereichs Origin and Function of Metaorganisms an der Uni Kiel sowie Fachdidaktikerinnen und -didaktiker am IPN Kiel haben die Entwicklung des Lerntools in einem kollaborativen Gestaltungsprozess unterstützt. Einen Blick hinter die Kulissen dieser interdisziplinären Zusammenarbeit gewährte KielSCN-Junior PI Carolin Enzingmüller in ihrem Beitrag „Innovation durch Kollaboration“.

Kollaboratives Design beschreibt einen Prozess, bei dem Personen mit unterschiedlichem Hintergrund ihr Fachwissen, ihre Ideen und Ressourcen nutzen, um auf ein gemeinsames Designziel hinzuarbeiten und dabei iterativ Analysen, Ideenfindung und Tests durchlaufen (Zamenopoulos, & Alexiou, 2018; Sanders & Stappers, 2008). Insgesamt gibt es bislang nur wenige Fallstudien, die konkrete Ansätze zum kollaborativen Design von (Lern-)Medien vorstellen und diskutieren. Die wenigen vorhandenen Studien zeigen aber, dass solche Design-Ansätze Kreativität fördern, gleichzeitig jedoch mit spezifischen kommunikativen und organisatorischen Herausforderungen einhergehen (Chiu, 2002; Stempfle & Badke-Schaub, 2002).

Carolin Enzingmüller berichtete bei der TURN Conference über den kollaborativen Entwicklungsprozess des Lerntools. Hierbei gab sie einerseits Einblicke, wie das interdisziplinäre Team aus Fachwissenschaft, Design und Fachdidaktik Wissen und Expertise zusammenführte. Sie zeigte aber auch, wie die Zielgruppe bei der Entwicklung des Lerntools einbezogen wurde. Abschließend stellte sie mögliche Chancen und Herausforderungen sowie Best-Practice-Beispiele für die Hochschulpraxis vor.

Neue Perspektiven für das Zusammenwirken von Design und Bildung schon im Studium

Die KielSCN-Doktorandinnen Anna Vollersen und Julia C. Ahrend stellten abschließend unter dem Motto „Voneinander lernen und miteinander gestalten“ Erfahrungen aus der Seminarpraxis mit Studierenden vor. Im Fokus standen dabei die Chancen, Erfahrungen und Umsetzungsmöglichkeiten des inter- und transdisziplinären Zusammenwirken von Design und Bildung schon während des Studiums.

KielSCN-Senior PI Ilka Parchmann initiiert solche Begegnungen verschiedener Fachrichtungen bislang in zwei Modulen für Kieler Lehramtsstudierende. Beide Module stellten die Vortragenden in ihrem Beitrag vor. Die Studierenden übersetzen hier zum Beispiel mit der Unterstützung von Designerinnen und Designern Fachinhalte in Formate wie Escape Rooms oder gestelten in Kollaboration mit Fachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern Angebote für außerschulische Lernorte. Auch in das Semesterprojekt PopUp-Science an der Muthesius Kunsthochschule gaben Anna Vollersen und Julia C. Ahrend noch einmal Einblicke, bevor sie sich den Fragen der Konferenzteilnehmenden stellten.

Über die TURN Conference

Die TURN Conference ist eine jährliche Austauschmöglichkeit zum Thema Lehren und Lernen. TURN steht dabei für Perspektivwechsel, Mut zur Veränderung, Offenheit und Aufbruch. Initiiert wurde die Tagungsreihe, deren Auftakt vom 3. bis 4. November 2022 in Kiel stattfindet, von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre, die auch die finanzielle Förderung übernimmt. Jedes Jahr richtet eine andere Hochschule (oder Hochschulkooperation) die Tagung aus. Die ausrichtenden Hochschulen in Kiel waren die Fachhochschule Kiel sowie die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.


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